Vor zwei Wochen hatte ich noch keine Ahnung was das bedeutet. Aber nach meinem Rauswurf aus dem VZ und der Beschäftigung mit deren AGB’s, habe ich mich eingelesen.

Eigentlich dachte ich, so leer wie das VZ zum jetzigen Zeitpunkt ist, wäre es eine geniale Idee, sehr viele Gruppen zu gründen. Da fallen einem alle möglichen Gruppennamen ein. Erst einmal lustige Sprüche, wie es schon im StudiVZ war und dann eben auch allgemeingültigere einfache Worte. Am Ende hatte ich 495 Gruppen. Hauptsächlich bestehend aus Berufen, Orten, Charaktereigenschaften, Getränke und Snacks. Ich glaubte schon an einen symbiontischen Erfolg und gemeinsames Wachstum. Endlich wieder eine simple Sozialplattform, mit „noch“ wenig Werbung und leichtem Zurechtfinden. Eben nicht so überladen wie bei vielen anderen Plattformen und Diensten. Jede Gruppe bekam sein Bildchen und einen kurzen Begrüßungstext mit einer kleinen Frage. Meist etwas zum schmunzeln oder eine reizvolle Aufforderung in Text oder Bild zu reagieren. Ich wollte grade die letzten Gruppenfotos für die Reihe Orte und Begegnungstätten hochladen … schwubs, Texte weg. Dachte noch, den hatte ich doch eben geschrieben gehabt oder? Zack, Themen weg. Hatte ich die Themen nur im Kopf gehabt? Ich zweifelte an mir und schon begannen ganze Gruppen, Gruppenblöcke, ja einfach alles zu verschwinden und … am Ende auch ich. Mein Account war futsch. Ich konnte mich nicht mehr einloggen.

Taj, egal. Ein neuer Account und zumindest die vielversprechendsten Gruppen erneut gegründet. Keine Begrüßung, keine Texte und auch keine Gruppenbilder. Schau ich eben irgendwann mal wieder rein, ob die Community so gewachsen ist, dort aktiv zu werden.

Jetzt erst mal ein neues Projekt: Was ist RGP? Nach eifriger Lektüre und ein Paar erklärenden Videos … Es handelt sich um Rollenspiele. Klingt nicht verkehrt. In Rollen schlüpfen und in Foren, Gruppen und auf Pinnwänden quatschen. Akteure erschaffen und die Handlung auch durch Einflüsse von außen beeinflussen lassen. Das ist doch besser als ein Buch schreiben. Aber RGP scheint doch noch etwas komplexer, dafür aber weniger fantasievoll zu sein, wie ich es mir vorstelle. Es gibt Regelwerke. Der Spaß ist vorbei. Meine anfängliche Euphorie, wie weggeblasen. Naja, wie soll man Rollenspiele mit Würfeln und Karten, Pen & Paper im Lockdown und mit Abstandsregeln auch spielen? Vergessen wir es … oder googeln!

Als kurz gesagt, es ist möglich. Es gibt online Rollenpiele. Also nicht nur Forengequatsche unter 12 Fakeaccounts, die sich verstehen und nach realen Treffen sich dann doch eher aus dem Wege gehen. Nein, Spiele mit Regeln. Mal mehr und mal weniger Reglementierung und freies Denken und Fantasieren. Mal narrativ, mal kämpferisch, mal Glücksspiel. Sogenannte virtuelle Tischplatten, engl. Tabletops. So, da könnte man sich reinarbeiten. Also bestimmt nicht in eine Regelwerk mit 300 Seiten und zig zusätzlichen Erklärungsbüchern, aber selber etwas ausdenken und erschaffen. Notfalls auch mit „eigenen“ Regeln.

Drei virtuelle Tabletops (vTT) sind mir bei meiner Recherche ins Auge gefallen. Es gibt eine recht moderne Platform mit einem gratis Basis-Account. Man kann einen Virtuellen Tisch mit 5 Freunden, Bekannten oder Fremden nutzen und spielen. Es gibt Karten und die verschiedensten Würfel, einen Text-, Voice- und Videochat. Der Anbieter nennt sich Roll20. Man kann natürlich auch nach einem Regelwerk spielen und sich die verschiedensten Module dazu kaufen. Mit etwas Geduld, läßt sich eine kleine Welt mit Landkarten, Städten und Irrgärten erschaffen.

Der zweite Anbieter nennt sich Fantasy Ground. Eigentlich sieht es aus wie ein riesiges Forum für Rollenspiel-Enthusiasten, was es wahrscheinlich auch ist. Hier gibt es ebenfalls die Möglichkeit kostenlos zu spielen. Möchte man kreativer sein und selbst ein Spiel entwerfen, dann kostet dies Geld. Im Vergleich zu Roll20 ist das Abomodel günstiger. Vor allem, weil man durch Einmalzahlung auf monatliche Kosten verzichten kann. Aber auch hier gibt es jede Menge kaufbare Module, Regelwerke, Plots und Maps. Man muss das Program herunterladen. Es gibt derzeit zwei Versionen. Die neue ist noch in der Betaphase, läßt sich aber spielen und macht etwas her. Bei Fantasy Ground ist alles Mittelalterlich. Es wirkt nicht modern, aber Rollenspieler sind ja auch nicht alle Trekkies. Die Erschaffung einer neuen Welt geht hier leicht von der Hand.

Die dritte Seite mit virtuellen Tabletops ist eigentlich ein Program. Auch dies muss wie bei Fantasy ground heruntergeladen werden. Das Programm nennt sich Maptool und man findet es auf den Seiten von RPTools. Vermutlich handelt es sich um eine Menge Entwickler, denn es ist Open Source und jede einzelne Version läßt sich herunterladen und nutzen. Hier sollte man sich zuvor mit seinen Freunden absprechen, welche Version man gemeinsam nutzen möchte. Ansonsten funktioniert der Spaß nicht. Maptool ist komplett kostenlos. Wer kreativ ist, findet auch hier das richtige Werkzeug, um seine eigene Welt zu erschaffen. Vielleicht gibt es etwas weniger überteuerte Zusatzmodule, um sehr schnell zu einem Erfolg zu kommen. Ich denke, die Community hilft sich auch hier gegenseitig mit dem ein oder anderen aus.

Bei den tausend Youtubes, die ich für meine Recherche gesehen habe, gibt es natürlich für jede Plattform seine Verfechter und Fangemeinde. Es wird auch schwer diskutiert welches Produkt für welchen Zweck am besten ist. Es gib Spione, Überläufer und hartnäckige engstirnige Langohren. Oft liegt es am Geld, manchmal an firmenpolitischen Entscheidungen und ab und zu ist einfach irgendjemand mit dem falschen Bein aufgestanden.

Fantasy Ground und Maptool haben beide kein integrierten Voice- und Videochat wie bei Roll20. Man geht wahrscheinlich davon aus, daß die Integrierung ins Program zu viel Rechnerleistung verschlingt und das Spiel verlangsamt oder hat dafür einfach nicht die passenden Entwickler oder Kooperationen. Sollte ein Video- oder Voicechat benötigt werden, nutzt man gerne das von Discord oder Skype.

Meiner Kreativität ist an diesem Punkt zumindest genüge getan, auch wenn ich statt eines Dungeon mit Drachen und Elfen, ein virtuellen Friedhof, eine Begegnungsstätte mit dem Tod gezaubert habe. So wird aus einer postmortem abgeschalteten privaten Homepage, nach vielen Jahren ein begehbares Rollenpiel.

Wenn wir in Schubladen denken, dann ist Maptool für den Tüftler mit tollen Möglichkeiten, Fantasy Ground für die Masse der Rollenspieler und Roll20 für den Einsteiger, der einfach einen sauberen Tisch möchte.